Missverständnisse und Stereotypen

Missverständnisse und Stereotypen

8. Juli 2024, Dominik Zgraggen, Präsident Vegan-Schwyz

Motiviert durch die tägliche Konfrontation mit Missverständnissen und Stereotypen im Bereich Veganismus habe ich im folgenden Text einige persönliche Gedanken beschrieben.

1. Veganismus ist eine Luxuserscheinung

In der Schweiz habe ich den Luxus, auswählen zu können, was ich esse und kaufe. Wenn ich auf etwas verzichte, ist das eher das Gegenteil von Luxus. Täglich Fleisch zu essen ist ein Luxus, den man sich vor 50 Jahren nicht vorstellen konnte. Grundsätzlich arbeiten wir viel und verdienen überdurchschnittlich. Wir wissen durch den Stand der heutigen Forschung, welche Folgen unser Lebensstil hat. Wenn ich das ignoriere, dann ist das auch Luxus. Abgesehen davon gibt es Bevölkerungsgruppen auf der Erde, die sich historisch praktisch ausschliesslich von Pflanzen ernährt haben, ohne dabei andere Möglichkeiten gehabt zu haben. 


2. Die Kühe auf der Weide sind Tradition in der Schweiz 

Wenn die Tradition besagt, Kühe gehören auf die Weide, dann verstehe ich nicht, warum Landwirte in meiner Nachbarschaft das Gras mähen und die Tiere im Stall füttern. So wie ich das verstehe, gibt es einen Unterschied zwischen alpinem Gelände für Wiederkäuer und Flächen, die sich für Ackerbau eignen. Ich bin der Meinung, anstelle der grossen Menge Heu im Flachland wären Getreide, Gemüse, Nüsse, Ölsaaten und Hülsenfrüchte die bessere Option. Pflanzen kann der Mensch direkt essen oder, falls nötig, an die riesige Anzahl Hühner und Schweine, die ebenfalls im Stall sind, verfüttern. Darüber hinaus macht es Sinn, Traditionen zu hinterfragen.


3. Ich bevorzuge die lokale Landwirtschaft

Dazu kommen mir typisch schweizerische Produkte wie Wurst, Käse, Eier und Honig in den Sinn. Weniger dazu passen jedoch Kaffee, Schokolade, Bananen und Pfeffer. Obwohl sie nicht hier wachsen, werden sie täglich konsumiert. Es ist für mich offensichtlich, dass im Vergleich lokale Lebensmittel wie Baumnüsse, Aronia und Portulak viel weniger beliebt sind. Auch Produkte, die immer mehr zur lokalen Landwirtschaft gehören, wie zum Beispiel Soja, Kichererbsen oder Quinoa, werden meiner Ansicht nach noch wenig gegessen. Es ist Realität, dass wir sowohl Lebensmittel aus der ganzen Welt als auch aus der lokalen Landwirtschaft konsumieren. Die Herkunft alleine sagt nicht viel darüber aus, wie nachhaltig ein Produkt ist, denn es gibt viele Einflussfaktoren.


4. Soziale Menschen schützen die Natur

Ich glaube, für uns Menschen sollte eine intakte Pflanzen- und Tierwelt (Biodiversität) wichtig sein, denn sie bildet die Lebensgrundlage. Es scheint, dass sich die vielen komplexen Prozesse in der Natur laufend anpassen, weil der Mensch einen grossen Einfluss darauf nimmt. Ob die veränderte Natur weiterhin als Lebensgrundlage für den Menschen dienen kann, ist für mich fraglich und problematisch, wenn zum Beispiel viele Arten komplett aussterben. Somit meine ich, dass Naturschutz und nachhaltiger Konsum keine selbstlosen Gesten sind. Wir können uns Menschen schützen indem wir die Biodiversität erhalten. Die Erde würde auch ohne Menschen bestehen.


5. Das Angebot bestimmt die Nachfrage. Oder umgekehrt.

Nach meinem Verständnis bestimmen die Konsumenten durch die Nachfrage, was längerfristig angeboten wird. Auch wenn viele Landwirte produzieren und anbieten, was sie schon immer gemacht haben. Die Konsumenten können frei wählen, ob etwas anderes gekauft wird oder immer das Gleiche. Landwirte machen ihren Job, wenn sie die grosse Nachfrage an tierischen Produkten stillen. Mit jedem Einkauf beeinflussen wir die Wirtschaft der Zukunft und der Wandel wird von uns mitgestaltet.


6. Ich bin tierlieb

Nicht nur die Haustiere, auch die Nutztiere im Stall, auch die Forelle in der Muota, der Zilpzalp und der Wolf im Wald, die Fledermaus im Kirchturm, der Maikäfer im Garten, der Elefant in Tansania, der Affe im Amazonas, usw., sind mir lieb. Ganz egal, ob ich das Tier wahrnehme oder nicht. Bei einigen beeinflusse ich ihr Wohlergehen und bei anderen nicht.