06 Juli Hülsenfrüchte in der Schweiz
Für eine gesunde und nachhaltige Ernährung spielen Hülsenfrüchte eine wichtige Rolle. Die Rede ist von verschiedenen Arten von Erbsen, Bohnen und Linsen. Der Bund fährt seit mehreren Jahren die Strategie, dass Hülsenfrüchte gefördert werden sollen. (1) Wie ist der Stand in der Landwirtschaft und was ist dran an den Vorurteilen, dass Hülsenfrüchte nicht in der Schweiz wachsen? Welche Produkte von welchen Herstellern gibt es in den Regalen des Detailhandels? Lass uns das genauer anschauen.
Was sind Hülsenfrüchte und wo wachsen sie?
Gemäss ihrem Namen handelt es sich um eine Frucht, die in einer Hülse ist. Man nennt sie auch “Leguminosen” oder im englischen “Legumes”. Sie sind gekennzeichnet durch ihren hohen Protein- und Ballaststoffgehalt und gleichzeitig verhältnismässig wenig Fett und Kohlenhydrate. Daher ist der Konsum von Hülsenfrüchten gesundheitsförderlich und eignet sich dazu, tierische Proteine zu ersetzen. (2)
Es wachsen 13’000 Sorten auf der ganzen Welt. In vielen Ländern Südamerikas, Asiens und einigen Regionen der arabischen Welt ernähren sich weite Bevölkerungskreise seit sehr langer Zeit von Hülsenfrüchten. Von dort stammen die Pflanzen ursprünglich auch, allerdings wachsen sie auch hier (siehe nächster Abschnitt). In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass auch viele andere Pflanzen, die wir im Ackerbau verwenden, nicht heimisch sind, wie zum Beispiel Kartoffeln, Mais, Tomaten, usw.
Welche Hülsenfrüchte werden in der Schweiz angebaut?
In der Schweiz werden Ackerbohnen, Soja, Gelberbsen, Kichererbsen, Linsen, Auskernbohne und Lupinen angebaut. (3) Der Anbau von Hülsenfrüchten hat viele Vorteile für die Natur und den Boden. Im Moment wird auf Produzentenseite noch viel ausprobiert. Die Anbaufläche und die Erträge nehmen jedes Jahr zu. (4) Was wo angebaut wird, hängt stark von der Region und der Einstellung der Bauern ab. Im Allgemeinen hat es unter anderem folgende Gründe, dass Hülsenfrüchte in der Schweiz nicht im grossen Stil angebaut werden (5):
- Der Anbau von Hülsenfrüchten ist mit Risiko verbunden. Sie benötigen eher warme und trockene Bedingungen, was in der Schweiz immer mehr der Fall ist.
- Hülsenfrüchte werden oft als Futtermittel für Tierhaltung eingesetzt.
- Der Anbau von Hülsenfrüchten für die direkte Lebensmittelproduktion wird erst seit 2023 subventioniert, allerdings mit kleinen Beiträgen.
- Es gibt wenig/keine Zölle für den Import von Hülsenfrüchten.
- Es wird zu wenig in die Infrastruktur zur Verarbeitung von Hülsenfrüchten investiert.
Welche Firmen fördern Produkte mit regionalen Hülsenfrüchten?
- Soyana: Verschiedenste Bio-Produkte meistens mit Hülsenfrüchten aus CH oder dem anliegenden Ausland.
- Fabas: Förderung Schweizer Hülsenfrüchte. Verschiedene Milchalternativen. Früher Hummus.
- BioFarm: Vertrieb von verschiedenen schweizer Hülsenfrüchten (roh) z.B. Linsen und Bohnen.
- Futur-Natur: Schweizer Bio-Soja Produkte: Tempeh, Tofu und Okara.
- Leibacher/EggField: Produkte mit Aquafaba (Kichererbsenwasser) statt Ei.
- Wild Foods: Fischalternativen und Hummus. Schweizer Bio-Kichererbsen.
- Luya: Nuggets, Burgerpatties, Okara, etc mit Bio-Soja und Bio-Kichererbsen aus der Schweiz und Italien.
- New Roots: Vegane Molkerei, neben Cashew auch Produkte mit Lupinen und Kichererbsen. Bio und Fairtrade, aber nicht CH-Hülsenfrüchte.
- Planted: Verschiedenste Convenience Produkte mit Erbsen und Soja aus Europa.
- Tofurei Engel: Tofu, Soja Paneer und Okara mit Bio-Soja aus Italien.
- Dein lokaler Biohof! (z.B. Ackerbohnen und Knackerbsen von der Urenmatt in Schwyz).
- Die Liste ist nicht abschliessend.
Wie nutze ich Hülsenfrüchte im Alltag?
- Rohe Linsen, Bohnen und Kichererbsen vor dem Verzehr einweichen und kochen.
- Gekochte Hülsenfrüchte sind zum einfrieren geeignet.
- Auch in Dosen und tiefgekühlt erhältlich.
- Kombiniert mit Gemüse, Getreide, Nüssen/Saaten ergibt es immer eine vollwertige und sättigende Mahlzeit.
- Püriert sind Hülsenfrüchte bekömmlicher und können z.B. für Saucen und Aufstriche verwendet werden.
- Hummus und Falafel sind traditionelle orientalische Gerichte.
- Linsen Dal ist ein traditionelles indisches Gericht.
- Chili Sin Carne und Bohnenpüree sind traditionelle Lateinamerikanische Gerichte mit Bohnen.
- Tofu und Tempeh sind traditionell asiatische Produkte, meistens aus Sojabohnen. Sie gibt es in verschiedenen Variationen z.B. geräuchert und mariniert.
- Sojamilch ist die beste Alternative zu tierischer Milch, wenn man die Nährstoffe vergleicht. Sojamilch kann man zu Hause selber machen.
- Fertigprodukte aus Hülsenfrüchten machen ab und zu Sinn, wenn es unkompliziert sein muss. Es lohnt sich aber einen Blick auf die Zutaten- und Nährstoffangaben, denn es können unnötige Zusatzstoffe wie Zucker enthalten sein.
- Es gibt diverse Teigwaren, Brot, Waffeln, Müsli, etc die Hülsenfrüchte enthalten.
- Getrocknete respektive gekeimte Hülsenfrüchte kann man z.B. über den Salat streuen.
- Es gibt viele trockene Produkte wie z.B. dieses, die einfach als Alternative zu Hackfleisch und Geschnetzeltem verwendet werden können. Sie enthalten oft nur eine Zutat und sind lange ungekühlt haltbar.
Quellen
- 1: https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/das-blv/strategien/schweizer-ernaehrungsstrategie.html
- 2: https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BClsenfrucht
- 3: https://www.schweizerhuelsenfruechte.ch/de/wissen/
- 4: https://biofarm.ch/de/landwirtschaft/anbau/hulsenfruchte
- 5: https://www.lid.ch/artikel/schweizer-huelsenfruechte-haben-es-noch-schwer
- 6: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Landwirtschaft_in_der_Schweiz